Wort zum Tage, 14.01.2017

von Dietmar Rebmann aus München

Vollendung

Leonard Cohen, Gene Wilder, Elie Wiesel, Götz George, Bud Spencer, Rupert Neudeck, Guido Westerwelle, Peter Lustig, Roger Willemsen, Umberto Eco, Alan Rickman, David Bowie....Wahnsinn! Alle diese Kerle sind 2016 gestorben. Männer, die irgendwie zu meinem Leben schon immer dazugehört haben mit ihren Filmen, Büchern oder ihrer Musik.

Ich erschrecke, weil ich irgendwie immer noch wie ein Kind meine, dass Schimanski oder Bud Spencer ewig leben. Gut, man kann die alten Filme schauen,  aber die Erinnerungen verblassen trotzdem und mein Erschrecken hat natürlich auch mit meiner Angst zu tun, dass sich auch an mich irgendwann niemand mehr erinnert. Dieses Thema holt mich immer wieder ein, wenn ein Jahr definitiv zu Ende ist. Ich mache dann meinen ganz persönlichen Jahresrückblick, höre bewusst Musik von verstorbenen Musikern und lese in den Büchern verstorbener Autoren, um diesen seltsamen Verlustängsten in mir etwas entgegenzusetzen. Und ich kann gut nachvollziehen, was Psychologen empfehlen: dass man an markanten Übergängen und Neuanfängen im Leben unbedingt einen Belastungstest machen sollte. Der Belastungstest stellt eine zentrale Frage:  Was passiert, wenn mehrere Katastrophen zusammenkommen? Halte ich das aus? Was passiert, wenn ich die Lust am Leben verliere? Wenn ich im Leben keinen Sinn mehr sehe? Wenn ich einen geliebten Menschen verliere und mich meine Arbeitskollegen auch noch fertig machen?

Wenn der Arzt sagt: „Sie haben Krebs“ und der Chef: „Ab morgen haben Sie jeden Tag frei?“ Das alles kann so oder so ähnlich 2017 passieren.

Hab ich dann noch genügend Reserven, und wo hole ich meine Kraft her?

Die Bibel kennt dafür einen eigenen „Test“. Im Psalm 121 heißt es: „Ich schaue umher und suche, woher ich Hilfe bekomme.“ Und die Antwort: „Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er lässt mich nicht schwanken und schläft nicht, sondern steht mir zur Seite.“ (Ps 121, 1-3)

Wenn also alles kaputt geht und nichts mehr hilft, hilft immer noch einer. Eben der, der Himmel und Erde gemacht hat. Und der niemals schläft. Da kann ich Weihnachten noch hören und riechen. Mit der Idee, dass ich keine Angst haben muss. Weil alles, was verloren geht, in Gott aufgehoben ist. In der Bibel heißt es: Jetzt sehen wir nur Bruchstücke, aber später werden wir alles erkennen und wiederfinden, auch uns selbst. (vgl. 1 Kor 13,12)


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Dieser Beitrag wurde am 14.01.2017 gesendet.


Über den Autor Dietmar Rebmann

Dietmar Rebmann ist Leiter der Hörfunkabteilung im Rundfunkreferat der Bayerischen Bischofskonferenz mit den Aufgaben: Produktion von Sendungen im BR, sowie Ausbildung und sprechtechnische Schulung von Hörfunk-Autorinnen und Autoren.

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