Wort zum Tage, 11.01.2017

von Dietmar Rebmann aus München

Anfechtung

Der Maler Martin Schongauer hat vor mehr als 500 Jahr ein Bild gemalt, mit dem Titel: die Versuchung des heiligen Antonius. Antonius war ein Eremit und lebte in der Wüste. Es wird berichtet, dass er viele Anfechtungen in seiner Einsamkeit erlitten hat.  Er wurde zum Prototypen des verunsicherten Gläubigen. Man sieht auf dem Bild von Martin Schongauer ein dämonisches Zerren: Die verschiedenartigsten hässlichen Wesen machen sich über den armen Antonius her. Er wird gekratzt, es wird an seinem Gewand gezogen, es wird auf ihn eingedroschen und er wird verhöhnt. Er wird also von den Dämonen regelrecht fertiggemacht.

Nun ist das ganze Spektakel noch einigermaßen zu ertragen, solange es sich nur äußerlich abspielt. Richtig schlimm wird es, wenn die Quälgeister im Inneren des Menschen ihr Unwesen treiben.

Quälgeister, die einen nicht schlafen lassen; Sorgengeister, die die Menschen hetzen und jagen; ein Neid-Geist, der permanent stichelt, dass andere es viel besser haben. Wenn die Quälgeister das Herz erreichen, kann ein innerer Bürgerkrieg entstehen.

Und das Antonius-Bild von Martin Schongauer zeigt sehr deutlich, was passiert, wenn den Dämonen kein Widerstand entgegengesetzt wird: Der Mensch verliert die Bodenhaftung. Die Gestalt des heiligen Antonius hängt irgendwie in der Luft, er hat nichts mehr, was ihn halten kann. Denn die große Lüge der inneren Anfechtung heißt: Du bist verloren, denn Gott - der hat dich auch vergessen. Du bist es ja auch nicht wert. Das ist das Einfallstor für alle Quälgeister: Wenn ich der Einflüsterung glaube, dass ich viel zu klein, zu unbedeutend und zu wertlos bin, als dass sich der große Gott für mich interessieren könnte. Rein logisch gesehen, kann das nicht sein, denn dieser große Gott hat mich ja ins Leben gerufen, warum hätte er das tun sollen, wenn ich jetzt keine Bedeutung mehr für ihn habe.

Aber wir glauben den Lügen der dämonischen Einflüsterer nur zu gerne - und werden dann zum Spielball des Bösen. Der Apostel Paulus, der dieses innere Gezerre wohl auch sehr gut kennt, empfiehlt: Wir sollen uns Gott an unserer Seite denken. Das erdet uns; und mit einem einzigen Satz kann der innere Zweifel zur Ruhe gebracht werden, wenn ich mit Paulus sage: „Wenn Gott für mich ist, wer ist dann gegen mich?“ (Röm 8,31)

Wenn Gott also an meiner Seite steht, kann ich mit seiner Kraft allen Anfechtungen Widerstand leisten.


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Dieser Beitrag wurde am 11.01.2017 gesendet.


Über den Autor Dietmar Rebmann

Dietmar Rebmann ist Leiter der Hörfunkabteilung im Rundfunkreferat der Bayerischen Bischofskonferenz mit den Aufgaben: Produktion von Sendungen im BR, sowie Ausbildung und sprechtechnische Schulung von Hörfunk-Autorinnen und Autoren.

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