Wort zum Tage, 29.11.2016

von Beate Hirt aus Frankfurt

Advent und Amazonas

Im Frühjahr habe ich Padre Joao kennengelernt. Wenn ich Bilder vom Amazonas sehe, dann muss ich jetzt immer auch an ihn denken. Padre Joao lebt am Amazonas. Und er setzt sich ein für die Menschen dort, vor allem die Ureinwohner. Im Frühjahr hat er auf Einladung einer katholischen Hilfsorganisation Deutschland besucht und von seinem Engagement und seinem Glauben erzählt. Ich war dabei an einem Abend, und ich war beeindruckt: von seinen grünen Augen, die gesprüht haben, von seiner großen Energie.

Man braucht viel Energie und langen Atem, wenn man sich für den Amazonas und seine Anwohner einsetzt. Denn mächtige Firmen und Menschen nützen das Land dort für ihre Zwecke, sie bauen riesige Staudämme oder legen gigantische Sojaplantagen an. Auf Kosten der indigenen Völker, deren Lebensraum zerstört wird. Und auch auf Kosten der Umwelt, die nicht nur für diese Völker überlebenswichtig ist, sondern für die ganze Erde und ihr Klima. Im Amazonasgebiet befinden sich rund 20 Prozent der weltweiten Trinkwasservorräte und fast 30 Prozent der Sauerstoffvorräte. Aber ein Viertel des Regenwalds dort ist schon abgeholzt.

Menschen wie Padre Joao stemmen sich gegen diese Zerstörung und den Raubbau. Und sie hoffen auf die Unterstützung von vielen, auch bei uns in Europa, hoffen auf religiöse und politische Unterstützung. Seit Sonntag ist wieder eine kirchliche Aktion im Gange, die den Amazonas in den Mittelpunkt rückt: Das katholische Hilfswerk Adveniat hat seine Weihnachtsaktion gestartet – es geht darin um den lateinamerikanischen Regenwald und seine Ureinwohner.

Adveniat, Advent und Amazonas, die drei „A“s passen ziemlich gut zusammen, finde ich. Advent bedeutet ja: Ankunft, Ankunft Gottes hier bei uns Menschen. Adveniat klingt so ähnlich und kommt vom lateinischen Ruf aus dem Vaterunser „Adveniat regnum tuum“ – dein Reich komme! Adveniat und Advent: Die passen für mich zum Amazonas, weil ich glaube: Gottes Reich auf dieser Erde bricht an, wo Gerechtigkeit sich durchsetzt, wo den Armen zu ihrem Recht verholfen wird und wo Gottes Schöpfung geschützt wird.

Ich hab mir für den Advent deswegen nicht nur Kerzenschein und Weihnachtsmarkt vorgenommen, sondern etwa auch: „Infozeit“ im Internet, ich will mich wieder informieren über das Amazonasgebiet. Ich werde schauen, wie der Stand der Dinge gerade ist bei den neu geplanten Riesenstaudämmen, die Padre Joao und viele andere Kirchenleute verhindern wollen. Auch Bischof Erwin Kräutler aus Brasilien übrigens ist da sehr engagiert, vorgestern hat er in München die Adveniat-Aktion mit eröffnet. Er bekommt immer wieder Todesdrohungen wegen seines Einsatzes für Umwelt und Ureinwohner. Vielleicht kann ich zumindest wieder eine Petition im Internet unterschreiben. Das ist nicht viel, aber immerhin ein wenig politische Unterstützung. Und ich werde auch wieder Geld überweisen.

Damit der Kampf für den Amazonas weitergehen kann. Und damit das Reich Gottes weiter wächst.


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Dieser Beitrag wurde am 29.11.2016 gesendet.


Über die Autorin Beate Hirt

Beate Hirt ist Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Sie studierte katholische Theologie und Germanistik in Mainz und Paris. Danach war sie als Persönliche Referentin beim Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann tätig. Seit 2003 ist sie Rundfunkbeauftragte des HR. Sie schreibt und liest gern, am liebsten über Gott. Inspiration und Entspannung findet sie beim Joggen, Wandern und Singen. Kontakt: info@kirche-im-hr.de www.kirche-im-hr.de

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