Morgenandacht, 26.09.2016

von Pastoralreferent Dietmar Rebmann aus München

Bonität

Viele Menschen, die sich ein Haus bauen wollen, sehen sich plötzlich strengeren Richtlinien bei der Kreditvergabe gegenüber. Das geht ganz schnell: Du besitzt plötzlich keine Bonität mehr. Das heißt, Du wirst abgewertet und bist nicht mehr gut genug! In dem Wort „Bonität“ steckt ja das lateinische „bonus“ „gut“. Wenn wir im menschlichen Miteinander die Prozesse permanenter Abwertung stoppen oder umkehren wollen, können wir uns die Gesetze der göttlichen Heilsökonomie wieder bewusst machen, die anderen Motiven folgt. Man könnte dann sagen: Gott gibt uns einen großen Kredit, er schenkt uns die Welt, das Leben und er schenkt uns seine Liebe. Das alles bekommen wir aus Gnade geschenkt. Und dazu die Freiheit, selbst bestimmen zu können, wie wir mit diesem Kredit umgehen. Wenn Gott dann eine Bonitätsprüfung macht, muss er aber feststellen, dass wir ihm diese Großzügigkeit nicht danken, sondern immer wieder etwas Böses erschaffen. Wir zerstören die Natur, bekämpfen einander und werden größenwahnsinnig. Wir lösen uns von unserem großzügigen Kreditgeber und wollen sogar mit ihm konkurrieren. Wir wollen werden wie Gott, sagt die Bibel.  Wir stufen uns quasi selbst hinauf und machen uns größer als wir sind. Und damit verspielen wir alles.

Nun könnte Gott darauf reagieren, indem er uns Menschen herabstuft und sagt: die Menschen sind es nicht wert, dass ich so großzügig bin, sie geben mir nichts zurück und sind undankbar. Aber Gott ist kein Banker und er handelt auch nicht wie die Rating-Experten in New York. Er stuft uns nicht herab, sondern er stuft lieber sich selbst herab und wird ein Mensch. In Jesus Christus begibt sich Gott auf unsere Ebene. Er investiert seine Göttlichkeit, damit wir in seinem Sohn Jesus wieder Vertrauen lernen in unsere Menschlichkeit. Gott pumpt also Liebe in die Welt und in die Menschen und diese Investition hat keine Grenzen. Keine menschliche Schwachheit und Dummheit kann so groß sein, dass Gott seinen Liebeskredit wieder zurücknimmt. Gott macht vielmehr einen Schuldenschnitt und heftet unsere Schuldscheine an das Kreuz, an dem sein Sohn stirbt, so sagt es Paulus. Auch wenn wir unsere ganze Kreditwürdigkeit verspielt haben, wenn die Bonitätsprüfung ergibt, dass wir Menschen unvollkommen und armselig sind, schenkt Gott uns sein Vertrauen, damit wir wieder in uns selbst vertrauen können.

Jesus sagt mir: Wenn du mit Gott verbunden bist, dann bist du gut, dann, und nur dann, wird dein Herz gesund und heil. Dann muss ich auch meine Mitmenschen nicht als Konkurrenten sehen. Wenn ich spüre, dass ich gut bin, weil Gott mich annimmt, dann kann ich auch die anderen Menschen als gut ansehen. Denn die Hölle auf Erden beginnt genau dort, wo einer sich über den anderen hinaufstuft. Wenn wir daraufhin unsere Welt betrachten, müssen wir eingestehen, dass wir in nichts mehr Energie investieren, als in das Streben, uns höher zu werten als andere.

Und dies führt am Ende immer zur Gewalt und zum Versuch, die lästigen Konkurrenten aus dem Weg zu räumen. Vom überheblichen Blick auf den Nachbarn, über das Mobbing am Arbeitsplatz bis hin zu den Bürgerkriegen führt eine schnurgerade Linie. Wenn sich Gott selbst am Kreuz in die Hände der Gewalttäter begibt und sich zum Verbrecher herabstufen lässt, dann kann er das tun, weil seine Liebe so groß ist, dass er uns nicht aufgibt. Gott lässt seine Liebe weiter in unsere Welt und  in unsere Herzen fließen. Am Ende zählt also nicht das Ranking der Banker und nicht die Bonität des großen Geldes. Am Ende zählt die Menschlichkeit. Das ist die globale Perspektive aus unserem Glauben: dass Gott nie aufhört in uns zu investieren und wir immer die Chance haben, dieses Kapital so anzulegen, dass es für alle reicht. Nicht das Geld wird die großen Krisen der Welt lösen, sondern nur die Barmherzigkeit und nur der Respekt vor jedem Geschöpf, in das Gott seine Liebe investiert.


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Dieser Beitrag wurde am 26.09.2016 gesendet.


Über den Autor Dietmar Rebmann

Dietmar Rebmann ist Leiter der Hörfunkabteilung im Rundfunkreferat der Bayerischen Bischofskonferenz mit den Aufgaben: Produktion von Sendungen im BR, sowie Ausbildung und sprechtechnische Schulung von Hörfunk-Autorinnen und Autoren.

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