Morgenandacht, 10.12.2014

von Beate Hirt, Frankfurt

Menschenrechte und Weihnachten

Noch zwei Wochen bis Heiligabend. So langsam wird’s Zeit für die Weihnachtsgeschenke. Wer heute, am 10. Dezember loszieht, der kann sich nicht nur von guten Ideen und günstigen Angeboten inspirieren lassen, sondern auch: von dem Tag, der heute begangen wird. Der Internationale Tag der Menschenrechte. Denn traurig, aber wahr: Die Weihnachtsgeschenke, mit denen ich meinen Lieben Freude bereiten möchte, die haben oft den Menschen, die sie hergestellt haben, wenig Freude gemacht. So manches, was bei uns auf dem Gabentisch landet, hat ja in punkto Menschenrechte keine gute Geschichte zu erzählen. Egal, ob Kleidung oder Elektrogeräte oder sogar Kinderspielzeug: Oft bekommen diejenigen, die es produzieren, kaum genug, um zu überleben, oder: Sie riskieren sogar ihr Leben.

Von den Kleidungsfabriken in Bangladesch zum Beispiel haben wir ja mittlerweile Bilder vor Augen: Dort herrschen immer noch grässliche Bedingungen. So viel hat sich da nicht gebessert, seit letztes Jahr beim Einsturz einer einzigen Fabrik über 1100 Menschen umgekommen sind. Und immer wieder gibt es Fabrikbrände, in denen dutzende Menschen sterben. Dass solche Dramen etwas zu tun haben mit der Kleidung, die wir hier in Deutschland günstig kaufen, auch eben als Weihnachtsgeschenke: Das wollen wir oft nicht so genau wissen. Vor kurzem habe ich im Fernsehen eine Straßenumfrage dazu gehört: Fast alle Leute haben gesagt: „Ja, das ist schlimm, was da in Bangladesch passiert. Aber beim Einkaufen achte ich auf so was, ehrlich gesagt, nicht.“ Sicher hat das auch damit zu tun, dass es ja auch nicht so einfach ist, zu erkennen: Welches Produkt ist denn nun fair und menschenwürdig hergestellt und welches nicht? Gerade bei der Kleidung gibt’s noch kein einheitliches Siegel – immerhin ist eins in der Planung. Aber ein paar Labels und Onlineshops existieren auch schon,  die klar und deutlich sagen: Wir produzieren so fair wie möglich. Für unsere Kleidung soll kein Mensch unwürdig schuften müssen oder in Armut leben. Ich finde: Gerade als Weihnachtsgeschenk ist so ein fair produzierter Pulli oder Schal eine gute Idee.

„Fair trade“: Besonders will ich aber diesmal auch beim Kinderspielzeug darauf achten. Wenn ich die Weihnachtsgeschenke besorge für Patenkinder und Neffen: Dann möchte ich, dass diese Geschenke auch Kindern in anderen Ländern Freude bereiten. Ich finde die Vorstellung grässlich: Womöglich haben sie nichts unterm Weihnachtsbaum, weil das Spielzeug, das ich kaufe, von ihren Eltern billig und unfair produziert wurde. Leider gibt’s auch beim Kinderspielzeug kein einheitliches Siegel. Aber es gibt immerhin Möglichkeiten, mich zu informieren und zu engagieren: Das katholische Hilfswerk Misereor zum Beispiel ist Mitgründerin der Aktion „Fair spielt“: Diese Aktion setzt sich dafür ein, dass in der Spielzeugindustrie die Menschenrechte beachtet und grundlegende Arbeitsstandards eingehalten werden. Firmen werden dazu aufgefordert, auf ethische und ökologische Kriterien zu achten. Und Verbraucher können bei „Fair spielt“ eine Liste einsehen, die zeigt, welche Firmen sich an einen freiwilligen Verhaltenskodex halten und welche nicht. Unter „Fair-spielt“ findet sich dazu einiges im Internet, und auch auf der Seite von Misereor gibt’s Informationen zum „Fairen Handel“. Vielleicht frage ich bei mir im Geschäft auch einfach mal nach: Wie sieht es eigentlich aus mit den Arbeitsbedingungen für dieses Spielzeug? Ich könnte mir vorstellen: Es ändert sich auch etwas in Sachen Menschenrechte, wenn immer mehr Menschen nachfragen und zeigen: Es ist mir nicht egal.

Menschenrechte: Die sind ja nichts Abstraktes, bei dem ich einfach nur sage: Bin dafür! Ich kann mich ganz konkret für sie einsetzen, gerade heute, am Internationalen Tag der Menschenrechte. Indem ich zum Beispiel menschenwürdig produzierte Produkte kaufe. Bei meinen Weihnachtseinkäufen finde ich das besonders sinnvoll. Immerhin glaube ich daran: An Weihnachten ist Gott selbst Mensch geworden. Und dieser Jesus hat sich für die Menschen eingesetzt, für ihre Würde und ihre Rechte. Weihnachtseinkäufe und Menschenrechte: Die passen für mich deswegen besonders gut zusammen.

 

Webtipp:

http://www.fair-spielt.de

http://saubere-kleidung.de


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Dieser Beitrag wurde am 10.12.2014 gesendet.


Über die Autorin Beate Hirt

Beate Hirt ist Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Sie studierte katholische Theologie und Germanistik in Mainz und Paris. Danach war sie als Persönliche Referentin beim Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann tätig. Seit 2003 ist sie Rundfunkbeauftragte des HR. Sie schreibt und liest gern, am liebsten über Gott. Inspiration und Entspannung findet sie beim Joggen, Wandern und Singen. Kontakt: info@kirche-im-hr.de www.kirche-im-hr.de

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