5. Sonntag im Jahreskreis, 04.02.2018

Predigt des Gottesdienstes aus der Pfarrkirche Zur Heiligen Familie, Karlstadt


Predigt von Pfarrer Simon Mayer

Liebe Schwestern und Brüder in der Kirche zur Heiligen Familie in Karlstadt, und wo sie uns heute auch zuhören. Wenn wir Erzählungen der Bibel hören, dann sind wir es gewohnt, getragene Geschichten, voller Würde und mit einer gewissen Behäbigkeit zu hören. Entspannt und entschleunigt.

Das erste Kapitel des Markusevangeliums dagegen ist ganz anders, fast schon satzgewordener Stress. Jesus hat keine Zeit, er hetzt von Tat zu Tat, von Predigt zu Predigt, von Wunder zu Wunder. „Das Reich Gottes ist nahe!“, damit hat er seine Lebensaufgabe benannt und begonnen und er scheint keine Zeit zu haben, dies umzusetzen: Ein Gehetzter, ein Getriebener für das Reich Gottes – fast so wie Paulus, „ein Zwang liegt auf mir – wehe mir wenn ich nicht verkündige!“. Jesus, ein rastloses Weberschiffchen also? Fast gewinnt man den Eindruck, als ob Jesus Angst hätte, der Lebensfaden könnte nicht reichen, diese Botschaft zu verkünden, das Reich Gottes anbrechen zu lassen und möglichst viele mit dem Leben in Fülle in Berührung zu bringen.

Das Reich Gottes – purer Stress? Das Himmelreich – Hektik ohne Ende? Nein! Gerade in den Momenten, in denen das Reich Gottes spürbar wird, da wird es wieder langsamer und ruhiger im Evangelium. Jesus hat unendlich viel Zeit, wenn er seine Jünger beruft, einzeln und je eigen. Wenn er vom Reich Gottes spricht in Gleichnissen und Bildern, noch eines und noch eines. Wenn er Menschen heilt, sie die Wirklichkeit des Reiches Gottes spüren lässt und ihnen so nahe kommt. Wenn er betet, wenn er mit seinem Gott in Kontakt und Berührung ist, der ihm die Kraft und die Inspiration für sein Lebensprojekt Reich Gottes gibt.

Für die Schwiegermutter des Petrus nimmt er sich Zeit. Er packt sie an, richtet sie auf, holt sie aus ihrem Fieber, das den Tod bringt. Er führt sie von ihrem Krankenlager, das den Sinn des Lebens vergessen lässt, wieder hinein ins Leben, an den Ort, an dem sie etwas tun kann. Da bekommt ihr Leben wieder Sinn. Das Reich Gottes, für die Schwiegermutter des Petrus wird es genau da erfahrbar – das geht nicht mal schnell und nebenher.

Für die Kranken und Belasteten, die sich am Abend vor der Tür sammeln, hat er Zeit. Er nimmt sich der Menschen an, die der Druck des Lebens und die eigenen Unzulänglichkeiten klein halten. Jesus lässt sie den Gott spüren, der den Menschen groß, aufrecht und aufrichtig, heil und ganz haben will, jeden einzelnen. Das geht nicht mal schnell und nebenher.

Und auch für sich selbst und seinen Gott, nimmt er sich Zeit. Das Gebet ist nicht das, was als Letztes kommt, wenn der Tag gelaufen ist und dafür auch noch Zeit und etwas Muße sein muss. Es ist das Erste, mit dem Jesus in seinen Tag geht, an sein Projekt und zu den Menschen. Damit beginnt er – und auch das geht nicht mal schnell und nebenher.

Jesus ist ein Getriebener für das Reich Gottes, darin sieht er den Sinn seines Lebens, das ist seine Sendung. Er lässt sich nicht vom Leben treiben, sondern für das Leben, für das Leben in Fülle für möglichst jeden Menschen. Das lässt er erfahren und dazu nimmt er sich die Zeit, die es braucht. Denn wenn einer wieder Sinn im Leben entdeckt, dann erfährt er etwas vom Leben in Fülle.

Da stellt sich dann die Frage für uns, liebe Schwestern und Brüder: Bei all dem, was wir tun und meinen, tun zu müssen, was uns treibt und hetzt: wo macht das Sinn, wo liegt da der Mehrwert für das Leben, wo wird da Leben in Fülle spürbar? Für was lassen wir uns denn da treiben und antreiben?

Vielleicht hilft gerade dann, wenn wieder viel zu viel ansteht, wenn Stress und Hektik vorprogrammiert sind, wenn mir nicht mehr klar ist, was hat das für einen Sinn… vielleicht hilft da dann der Satz eines weisen Menschen: Ich habe heute so viel zu tun – lass mich erst mal beten.

Amen.


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Dieser Beitrag wurde am 04.02.2018 gesendet.


Über den Autor Pfarrer Simon Mayer

Simon Mayer, Jahrgang 1978, wurde nach dem Theologiestudium in Würzburg und Freiburg 2005 zum Priester geweiht. Nach einem Kaplansjahr war er von 2006 bis 2011 Sekretär von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann, im Anschluss war er für wissenschaftliche Arbeit freigestellt und Geistlicher Begleiter der Würzburger Domchöre. Seit Januar 2015 ist er Pfarrer in Karlstadt und den dazugehörigen Gemeinden. Derzeit ist er mit seinem Pastoralteam für insgesamt zehn Gemeinden zuständig und darüber hinaus stellvertretender Dekan des Dekanates Karlstadt.