Feiertag, 07.01.2018

von Elena Griepentrog aus Berlin

„Die Spätberufenen“ – Auf den Spuren der mittelalterlichen Christen in der Mark Brandenburg

Während an Rhein oder in Süddeutschland das Christentum teils schon seit über 1000 Jahren Fuß gefasst hatte, blieb die Mark Brandenburg noch bis ins 12. Jahrhundert eine Insel des Heidentums mitten in Europa. Bis heute haben die vielen Zeugnisse des frühen Christentums hier einen archaischen Reiz. Fern von touristischem Rummel, dafür aber eingebettet in Natur, alte Pilgerwege und kleine Ortschaften, bieten sie viel Raum, einen ganz persönlichen Zugang zum mittelalterlich-christlichen Erbe zu finden.

Die Nacht vor dem 6. Januar, sie ist gefährlich. Sie ist die letzte der zwölf Rauhnächte. In dieser Nacht jagt die slawische Göttin Perchta noch einmal durch die Lüfte und sitzt über die Faulen und die Fleißigen zu Gericht. Haus und Hof müssen ausgeräuchert werden, mit Weihwasser besprengt. So bleiben böse Geister fern. Alles muss aufgeräumt sein, auch Wäsche darf nicht auf der Leine hängen. In dieser letzten Rauhnacht geschehen noch einmal Wunder: Tiere werden sprechen können, und wer sie heimlich belauscht, der wird die Zukunft erfahren.

So sollen sie ihn erlebt haben, den magischen 6. Januar. Slawische Heiden, unsere Vorfahren im Land Brandenburg. Sie lebten weit verstreut im Land in kleinen Stammesverbänden zusammen. Die Slawen feierten die Wintersonnenwende. Und verehrten ihre eigenen Götter wie den dreiköpfigen Triglav. Heutzutage feiern wir an diesem besonderen Tag, dem 6. Januar, ein christliches Fest – das Fest der Heiligen Drei Könige. Der Sonntag darauf, also heute, markiert laut Kirchenjahr dann das Ende der Weihnachtszeit. Auch die Sorben Brandenburgs, Nachkommen der ursprünglichen Slawen, sind heute Christen. Doch das Christentum kam spät in unsere Region, in etwa das heutige Berlin-Brandenburg. Jahrhunderte lang war die Gegend  sogar eine heidnische Insel inmitten ihrer christlichen Nachbarn wie Polen, Ungarn, Sachsen oder Böhmen. Noch heute ist Brandenburg irgendwie anders. Es gibt das preußische Potsdam, wieder auferstanden aus Ruinen. Viele hübsche Städtchen wie Rheinsberg mit seiner königlichen Vergangenheit, Neuruppin, Geburtsort von Theodor Fontane und dem genialen preußischen Baumeister Karl Friedrich Schinkel. Oder Wittstock mit seiner entscheidenden Bedeutung im Dreißigjährigen Krieg. Vor allem aber ist hier Land, Land, Land. Weite Felder, grüne Wiesen, Wälder und Forste, Auenwälder, sanfte Hügel, märkischer Sand und viel, viel Wasser. Nirgendwo in Deutschland gibt es so viele Seen. Und gleichzeitig so wenige Menschen.

Gott scheint in der Mark Brandenburg nur noch gelegentlich vorbei zu schauen, fast nirgendwo in Deutschland gibt es weniger Kirchenmitglieder. Und doch ist Gott da. Vielleicht ganz anders als gewohnt, ungebundener, archaischer, wilder.

Die Stadt Brandenburg als Wiege der Mark und des Christentums

Brandenburg ist leer, unbeschrieben, fern von greller Touristenunterhaltung. Der Tourismus wächst, aber er bleibt menschlich. Nie wird man von Menschenmassen erdrückt, immer bleibt Raum, sich tiefer in die Geschichte einzufühlen und zu sich selbst zu kommen. Auch, um Gott zu suchen - in den vielen mittelalterlichen Gemäuern. Erst 948 wurden hier die beiden frühen Bistümer in der Gegend gegründet, mitten unter den slawischen Heiden. Doch schon 35 Jahre später vertrieben die Slawen die germanischen Bischöfe und ihr Gefolge wieder. Erst 150 Jahre später konnte der Germane Albrecht der Bär sich durchsetzen. Er wollte die Gegend dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation angliedern und sie christianisieren. 1157 ist die Geburtsstunde der Mark Brandenburg, zu der auch Berlin gehören wird. Und 1157 ist auch die späte Taufe einer ganzen Region - mehr als 1000 Jahre nach der Christianisierung am Rhein oder in Süddeutschland.

Die Natur ist nie weit weg im Land Brandenburg. Ein wuchtiger Feldstein mit rosafarbenem Granit, den einst die Gletscher der Eiszeit von Skandinavien in die Mark brachten, steht mitten auf der Dominsel in der Stadt Brandenburg. Hier, rund 60 Kilometer südwestlich von Berlin, ist die Wiege der Mark. „850 Jahre Dom von Brandenburg“ steht in großen Lettern auf dem Stein. Vor 1000 Jahren stand genau hier auf der Schwemmlandinsel in der Havel eine slawische Burg. Nachdem Albrecht der Bär sie in langen Kämpfen erobert hatte, ließ der damalige Bischof auf ihren Fundamenten die neue Kirche bauen: den Dom von Brandenburg. Mit Auswirkungen bis heute, erklärt Rüdiger von Schnurbein, Leiter des Dommuseums:

„Zunächst ist hier die Wurzel des Landes, im Sinne der christlichen Mission. Wir haben hier

also ein frühes Bistum, 948 gegründet, und von hier aus ist im Grunde die ganze Mission des Landes Brandenburg, der Mark Brandenburg, ausgegangen. Deswegen nennt man den Dom auch so etwas überhöht die Mutterkirche der Mark, und deshalb hatte der Dom in der Geschichte immer auch eine wichtige Rolle gespielt.“

Der Brandenburger Dom hat Reformation, Aufklärung und Kriege überlebt

Seit 850 Jahren steht die Kirche nun auf der Dominsel der Stadt Brandenburg, sie hat alles überlebt, die Kämpfe des Mittelalters, die Reformation, Aufklärung, Weltkriege und die DDR. Vielleicht strahlt der Dom deshalb eine solch gelassene und ruhige Erhabenheit aus. Hier sind sie, die Wurzeln jedes Christen der Mark Brandenburg, ob evangelisch oder katholisch. Von hier ging alles aus. Die klaren Linien, die Helligkeit mit den vorherrschenden Innenfarben Weiß und Ochsenblut, einer Modefarbe der späten Gotik. Dazu schlichte, dunkle Stühle, eher leicht und modern. Der Dom ist behaglich, lässt einen gut zur Ruhe kommen. Unübersehbar noch immer die Chorempore der Mönche. Es waren Ordensmänner der Prämonstratenser, die hier lebten und die Geschicke des Dom verwalteten. Zwischen den Gebetszeiten gingen sie hinaus in die Welt und betrieben Seelsorge bei den vielen Neu-Siedlern. Denn Albrecht der Bär hatte ein großes Ansiedlungsprogramm gestartet, es kamen Kolonisten, Bauern und Klein-Adlige. Wälder wurden gerodet, Sümpfe trocken gelegt, Dörfer gegründet, slawische Dörfer erweitert.

Im Brandenburger Dom sind viele Schätze aus dieser Zeit zu besichtigen. Kostbare romanische Bauplastik wie die Kapitelle in der Krypta. Das Triumphkreuz mit Maria, dem Gekreuzigten und dem Jünger Johannes, das genau in der Mitte der Kirche in der Luft zu schweben scheint. Der Böhmische Altar, gestiftet von keinem geringeren als dem legendären Kaiser Karl IV. des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Oder der ungewöhnliche Sakristeischrank, den Manfred Weißert zeigt, einer der vielen ehrenamtlichen Domführer, die mit Herzblut Besucher durch den Dom begleiten.

„Dieser Schrank ist ein so genannter Giebelschrank: Hier wurde die Bekleidung aufbewahrt, und weitere Dinge: Wie z.B. ein Holzkopf: darin befand sich eine Locke von irgendeinem Heiligen. In diesem Schrank war Platz für solche Dinge. Er stammt aus der Zeit um 1220. Er ist sehr wertvoll, weil er der einzige Schrank ist, der von dieser Art noch existiert.“

850 Kirchen kamen Spitäler in die Mark – und das Wissen

Die vielen Neu-Siedler aus der Altmark, aus Flandern oder vom Niederrhein waren oft stolz auf ihre neue Heimat, nicht nur in der Stadt Brandenburg. Auch in jedem Dorf, das sich neu gründete – mit einer eigenen Kirche! Das hatte es in ihrer ursprünglichen Heimat meist nicht gegeben. Noch dazu eine Kirche aus Stein, damals ein Zeichen für Wohlstand. Stein überdauert die Zeiten, anders als Holz. So haben sich bis heute die meisten mittelalterlichen Dorfkirchen Brandenburgs erhalten – unglaubliche 850 gibt es im Land!

Jahrhunderte von kulturellem Rückstand – die Mark holte sie beeindruckend schnell auf. Tausende von Einwanderern aus stärker entwickelten Gebieten kamen in die Mark und brachten neue Landwirtschafts- und Handwerkstechniken mit. Unzählige Städte wurden gegründet. Und es kamen die Ordensgemeinschaften, eine reiche Klosterlandschaft entstand. Die Mönche und Nonnen brachten Wissen und Spitäler mit. Das älteste Klosterareal liegt im Örtchen Lehnin, rund 20 Kilometer südwestlich von Potsdam, ein ehemaliges Zisterzienserkloster. Im 12. und 13. Jahrhundert erlebte der Zisterzienser-Orden einen wahren Boom in ganz Europa, vor allem wegen seines charismatischen Neubegründers Bernhard von Clairvaux. Die Mönche siedelten sich auf dem flachen Land an, meist in unerschlossenen Gebieten. Dort bauten sie mit eigenen Händen ihr Kloster auf und machten das Land urbar. Aktiv missioniert haben sie nicht, erzählt Stefan Beier, Leiter des Lehniner Museums.

„Die Zisterzienser sind ein Orden, der sehr kontemplativ, das heißt sehr zurückgezogen in seiner Klausur gelebt hat und eher durch diese Ausstrahlung dessen, was sie gemacht haben, für das Christentum gesprochen haben. Das sind sichtbare Dinge gewesen, auch für die Bevölkerung: dass man Sümpfe trocken gelegt hat, dass man sehr gut gewirtschaftet hat, in der Felderwirtschaft oder in der Viehwirtschaft, dass man Fischereiwesen betreiben konnte. Es ist natürlich auch beeindruckend, wenn man sich vorstellt, dass im zwölften Jahrhundert plötzlich solche Gebäude wie diese Lehniner Klosterkirche möglich waren. Dass solche riesigen Gebäude in einem Kulturraum errichtet wurden, der noch von der Lehmhütte lebte.“

Noch immer kann man den Geist des Ordens erahnen, das weiträumige Areal ist größtenteils erhalten oder wieder aufgebaut. Die Klosterkirche wirkt in der für die Zisterzienser so typischen Schlichtheit, ohne Kirchturm, nur mit kleinem Dachreiter. Der Wohnbereich der Mönche, der Kreuzgang, Klostergarten, die Wirtschaftsgebäude wie der Kornspeicher, eingebunden in die idyllische Landschaft, die einst die Eiszeit hinterlassen hat. Ehrenamtliche wie Regina Ohme führen Besucher aus dem ganzen Bundesgebiet über die im Kern noch immer mittelalterliche Anlage.

„Wir sind jetzt auf der Westseite und stehen auf der höchsten Stelle des Urstromtales. Hier unter uns ist die einzige Stelle, an der auch Sand ist, wo man vernünftig bauen kann, hier herunter wird von beiden Seiten dann das Wasser abgeleitet in Gittergräben, und in den Hauptgraben geleitet, dann geht es in den Klostersee und dann rüber Richtung Havel. Dieser Baum ist der zweitälteste, den wir haben, eine Linde, sie wird auf 350 Jahre geschätzt. Eine Eiche am neuen Krankenhaus wird auf 700 Jahre geschätzt.“

Ein sich behauptendes Christentum – aber kein liebliches

Es ist ein frühes Christentum, das hier mit den Händen zu greifen ist. Nicht unbedingt ein liebliches, eher ein kämpferisches Christentum, ein sich selbst behauptendes. Das Klima kann gnädig sein in Brandenburg, die Sommer heiß und trocken. Im Winter aber wehen nicht selten eisige Ostwinde aus den Weiten Russlands herüber. Viele Kirchen der Mark sind aus unverputztem Backstein, noch ältere aus Feldsteinen, den einzigen natürlichen Steinen hierzulande. Vieles ist auf das Wesentliche beschränkt. Von erfrischender Schnörkellosigkeit und Einfachheit.

Mit der Reformation im 16. Jahrhundert ging die Zeit der Zisterzienser in Lehnin zu Ende, die Region wurde evangelisch. Seit über Hundert Jahren beherbergt das Klosterareal nun schon das Mutterhaus der Diakonissen, evangelische Schwestern in Tracht, die ähnlich wie Nonnen leben. Auch Diakonische Schwestern leben hier, sie dürfen auch eine Familie gründen. Vor allem aber ist in den auslandenden Anlagen ein großer sozialer Komplex der Evangelischen Kirche untergebracht, mit Krankenhäusern, Behinderten-Wohnheimen, Pflegeeinrichtungen und einem Hospiz. Das Erbe der Zisterzienser steht nicht im Vordergrund, ist aber immer dabei, erzählt Diakonisse Roswitha Kaaf.

„Das sind ja eigentlich die Anfänge, auch geschehen durch die Mönche damals. Es ist uns auch wichtig, dass es nach außen getragen wird. Zum Beispiel haben wir auch die Mittagsgebete in der Sommerszeit hier in der Kirche, so dass Besucher, die gerade da sind und gern teilnehmen wollen, einfach mit dazu kommen. Das ist schon etwas Gutes in diesen alten Gemäuern, da geht doch auch manches von aus.“

Im Gehen ist der Geist der tatkräftigen Zisterzienser vielleicht noch besser zu spüren – auf dem Bernhardspfad, benannt nach dem berühmten Zisterziensermönch Bernhard von Clairvaux: zwei Pilgerrouten auf mittelalterlichen Pfaden rund um das frühere Kloster.

Eine Gewalttat führte zur Entstehung einer der größten Wallfahrten

Bad Wilsnack ist heute ein etwas verschlafener, sehr hübscher Kurort im äußersten Nordwesten Brandenburgs, der Prignitz. Mittelpunkt des Ortes ist die Wunderblutkirche. Sie ist wirklich riesig. Und dabei blieb sie noch unvollendet, ursprünglich sollte sie sogar doppelt so groß werden. Im späten Mittelalter war Wilsnack über 170 Jahre lang einer der wichtigsten Wallfahrtsorte der Christenheit, neben so berühmten Städten wie Rom und Jerusalem. Eigentlich war es die Folge einer Gewalttat: Der Raubritter Heinrich von Bülow brannte im Jahr 1383 elf Dörfer nieder, auch Wilsnack mit seiner bescheidenen Dorfkirche. Nach dem Brand fand der Pfarrer mitten in Schutt und Asche drei völlig unversehrte Hostien, mit Blut besprengt. Für jeden Gläubigen ist in der geweihten Hostie der Auferstandene Christus selbst gegenwärtig. So war der Umstand, dass ausgerechnet die Hostien den Brand unversehrt überstanden hatten, für die mittelalterlichen Christen in Wilsnack ein Wunder – und ein Zeichen, dass Gott ihnen in der Not beistand. Und dieses Zeichen hatte weit reichende Folgen, erzählt Bärbel Mann vom Förderverein in Wilsnack.

„Wilsnack wurde also sehr schnell im - wie wir heute sagen - nördlichen Teil Europas bekannt. Die ersten Pilger kamen aus Böhmen und Sachsen und Ungarn und Polen, aber es kamen ganz schnell auch viele Skandinavier hier her: Aus Finnland ist man hier her gepilgert, aus Schottland und England und aus den Niederlanden kamen Pilger. Darüber finden man heute Zeugnisse hier in der Kirche.“

In Glasvitrinen sind zum Beispiel Walfischknochen zu sehen, Mitbringsel der Pilger aus ihrer Heimat. Die Pilger kamen aus allen Schichten, vom einfachen Bauern bis zum Adligen. Der eine hatte eine Krankheit und erhoffte sich Heilung. Ein anderer pilgerte aus Dank für Rettung aus einer Not. Und wieder ein anderer hatte eine persönliche Schuld abzutragen.

Die Wunderblutkirche heute ist nicht kantenlos und glatt poliert. Vieles muss noch restauriert werden, manch kostbare Malerei ist nur noch zu erahnen. Doch die Kirche steckt voller spannender Geschichte und Geschichten. Und voller Gefühle und Gedanken unserer christlichen Vorfahren. Sie nahmen Monate lange Fußmärsche auf sich, um hier glücklich und erleichtert zu Gott zu beten. Höhepunkt der Kirche ist bis heute die Wunderblutkapelle. Hier wurden die berühmten Hostien gezeigt, das Ziel aller Pilger. Und genau hier in der Kapelle kann sich jeder nieder lassen und träumen, vor dem gleichen mächtigen, bemalten Eichenschrank, in dem die Hostien einst aufbewahrt wurden. Die Hostien selbst gibt es nicht mehr. Denn mit der Reformation kam das jähe Ende der Wallfahrt. Der neue, nun evangelische Pfarrer warf die drei Hostien kurzerhand ins Feuer. Aus, vorbei.

Doch seit einigen Jahren kommen neue Pilger. Seit 2004 pflegen Förderverein und evangelische Gemeinde das reiche Erbe. Und vor gut zehn Jahren wurde auch der historische Pilgerweg Berlin-Wilsnack wieder eröffnet, rund 130 Kilometer zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Rund 1000 Pilger kommen pro Jahr. Die meisten sind keine Christen, aber sie scheinen Besinnung und Neuorientierung im Leben zu suchen. Fast alle verbringen viel Zeit in der Stille der Kirche, erzählt die Mitarbeiterin am kleinen Verkaufsstand. Und die meisten nehmen ein nachgegossenes altes Pilgerzeichen mit nach Hause - drei stilisierte Hostien mit Bildern von Jesus Christus. Viele Ehrenamtliche wie Lutz Biek beteiligen sich an der Wiederbelebung dieser uralten Tradition.

„Ich bin Wilsnacker. Und Wilsnack ohne die Kirche gibt es nicht. Auch andersherum nicht. Und die Kirchengemeinde ist so klein, dass eben Geld fehlt heutzutage an allen Ecken und Enden. Und darum machen wir das. Ich bin nicht mal kirchlich, aber die Kirche liegt mir am Herzen.“

In Brandenburg scheint Gott anders zu den Menschen zu kommen. Viele  hier suchen ihn nicht einmal. Andere jedoch machen sich auf den Weg, als Besucher im Brandenburger Dom und seinem Dommuseum. Oder im ehemaligen Kloster Lehnin. Oder als moderner Pilger auf dem alten Pilgerweg von Berlin nach Wilsnack. Manche finden Gott hier auch in der Natur, dem freien Blick, der unglaublichen Stille, der geradezu skandinavischen Einsamkeit. Im Kanu auf einem See. In der Beschaulichkeit, wenn sie seltene Vögel beobachten. Oder fast ausgestorbene Pflanzen betrachten. Oder wenn man das Glück hat, in einer der vielen liebevoll gepflegten Dorfkirchen zu sitzen und zu sinnieren. Vielleicht einem intimen, kleinen Konzert zu lauschen. In der alten Mark Brandenburg kann man Gott auf ganz neuen Wegen entdecken.

Die Nacht vor dem 6. Januar, sie ist gefährlich. Sie ist die letzte der zwölf Rauhnächte. In dieser letzten Rauhnacht geschehen noch einmal Wunder. Doch genau um Mitternacht, so heißt es, öffnet sich der Himmel. Weit sollen Türen und Fenster geöffnet werden. Der segensreiche Dreikönigswind wird durchs Haus fahren können, er nimmt den letzten Rest des alten Übels mit sich und trägt es weit fort, während er das göttliche Kind und reiches Glück hinterlässt.


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Dieser Beitrag wurde am 07.01.2018 gesendet.


Über die Autorin Elena Griepentrog

Elena Griepentrog, geb. 1968, ist Hörfunk-Journalistin/Feature-Autorin und arbeitet für die Kulturwellen verschiedener ARD-Sender. Ihr Schwerpunkt liegt auf den Themen Gesellschaft, Religionen  und Psychologie. Daneben arbeitet sie als Business- und Entwicklungs-Coach. Der Fokus liegt hier auf dem Thema: erfülltes Leben - erfülltes Arbeiten. Sie ist Inhaberin des Coaching-Instituts „leben und arbeiten in Farbe!“ in Berlin.

Kontakt

www.elena-griepentrog.de