Fest der Taufe des Herrn, 07.01.2018

Predigt des Gottesdienstes aus der Kapelle im Altenpflegezentrum „Zum Heiligen Geist“, Heilbad Heiligenstadt


Predigt von Pfarrer i.R. Lothar Förster

Liebe Hörerinnen und Hörer,
liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

In einem abgelegenen Dorf auf einer Berghütte
hauste eine alte Frau in großer Not.
Der Hunger plagte Sie,
und die Käte war oft in den kalten Wintertagen nicht auszuhalten.
Da kam einmal der neue Pfarrer von Tal herauf.
Dem klagte sie Ihre Not.
Er fragte sie, ob sie nicht jemand hätte,
der sie ein wenig unterstützt.
„Sicher“, antwortete die Frau.
„Ich habe noch einen Sohn, aber der ist weit weg.
Er ist Kaufmann in Australien, schon viele Jahre.“
„Und schickt euch der nichts?“
„Doch, an jedem Heiligen Abend kommt ein langer Brief
und jedes Mal sind in dem Brief auch Bilder drin!“
„Bilder?“, fragte der Pfarrer.
„Was für Bilder? Darf ich die einmal sehen?“, fragte er voller Neugier.
Die Alte kramte in einer alten Kommode herum,
brachte die vielen Briefe und zeigte sie dem Pfarrer.
Der aber machte große Augen und lachte hell auf.
„Wissen Sie, was das für Bilder sind?
Banknoten sind das, australische Banknoten
mit den Bildern berühmter Männer.
Sie sind reich und wussten es gar nicht.
Sie brauchen nicht hungern und zu frieren.“

Sie fragen jetzt sicher:
Was um Himmelswillen hat diese anrührende Geschichte
mit dem heutigen Fest der Taufe Jesu zu tun?
Jesus lässt sich am Jordan taufen.
Diese Johannes-Taufe war ein Eingeständnis der Schuld
und der Sünden der Menschen.
Sie bedeutete Umkehr und Vergebung.
Das Volk soll sich auf das Kommende des Messias vorbereiten.
Es ist nicht unser Sakrament der Taufe
und doch erinnert es uns an die eigene Taufe.
In ihr wurden wir – so haben Sie alle es gelernt –
mit der heilig machenden Gnade beschenkt.

Der Himmel, der vorher verschlossen war, ist wieder geöffnet.
Himmel und Erde sind nicht mehr meilenweit voneinander getrennt
und unüberbrückbare Gegensätze. Sie rücken zusammen.
Da geht etwas hin und her.
Der Geist Gottes – unsichtbar für uns, sichtbar im Bild einer Taube –
ist am Werk und schafft Neues zwischen Menschen und Gott.
Eine Stimme vom Himmel berichtet uns von dem innigen,
intimen Verhältnis von Gott und diesem Jesus:
„Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“.
Das Schweigen Gottes ist vorbei.
Das Wort selber ist ja Mensch geworden.
Es ist der Beginn des Auftretens Jesu.
Das Wort beginnt zu sprechen.
Den Auftrag bekommt Jesus von seinem Vater  im Himmel.
Der Vater beginnt, zuerst zu sprechen
und offenbart der Welt seinen geliebten Sohn.
Wenn wir, vom heutigen Fest geleitet,
die Taufe in besonderer Weise betrachten,
dann wird uns deutlich, was in ihr geschieht:
Gott berührt einen Menschen,
der Himmel öffnet sich,
das Leben dieses Menschen empfängt eine Weite,
die es sich selbst nicht geben kann.

Und jetzt bin ich bei unserer Geschichte.
Es geht vielen Getauften so wie dieser alten Frau.
Sie wissen nichts von ihrem Reichtum.
Sie wissen nicht, dass sie vom Sohn so beschenkt wurden,
dass es wertvolle Banknoten sind, die sie besitzen.
In der Taufe wurde jeder mit vielen Gnaden beschenkt
und wir sind reich.
Nur wer sich dessen aber bewusst ist
und diese Banknoten nicht in die Kommode schiebt,
der darf sich auch daran erfreuen.

Ein Vergleich kann uns schließlich verdeutlichen,
was unsere Taufe bedeutet.
Wenn ein Schiff - ein Kreuzfahrtschiff etwa -
feierlich „getauft wird“
dann knallt nicht nur eine Sektflasche gegen die Bordwand,
sondern mit einer kurzen Ansprache
wird das Schiff offiziell seiner Bestimmung übergeben.
Es bekommt seinen einmaligen Namen
und es bekommt seinen Auftrag.
Güter und Passagiere zu befördern.
Am Namen der Reederei und an der deutlich sichtbaren Flagge
kann jeder Fachkundige sofort erkennen,
wessen Besitz dieses Schiff ist
und zu welchem Land der Erde es gehört.

Und wir?
Wissen wir auch, zu wem wir wirklich gehören?
Wissen wir,
unter welcher Flagge wir sozusagen
durch unser Meer des Lebens segeln?
Mit unserer Taufe fahren wir unter der Flagge Gottes.
Wir gehören ihm.
Wir arbeiten für ihn.
Mit unseren Taufnamen stehen wir für ihn ein.
Gott steht immer zu uns.
Er lässt uns nicht fallen.
Er sagt: Ich kenne dich beim Namen.
Du bist für mich ganz einmalig.
Wer sich an ihn hält, ist zum Größten fähig:
Mit Christus zu sterben,
um mit ihm aufzuerstehen
zu einem von Liebe geprägten Leben.
Darauf sind wir getauft und darauf sollten wir vertrauen.

„Du bist mein geliebtes Kind,
an dir habe ich Gefallen gefunden“.

Gott schenkt jedem von uns seine Liebe.
Wir wollen sie an die anderen weiter schenken,
herzlich, freigiebig, Amen!


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Dieser Beitrag wurde am 07.01.2018 gesendet.


Über den Autor Pfarrer i.R. Lothar Förster

Pfarrer Lothar Förster geboren 1948, absolvierte nach dem Abitur eine Lehre zum Molkereifacharbeiter. Nach dem philosophisch-theologischen Studium im Priesterseminar in Erfurt folgte 1975 im Dom zu Erfurt die Weihe zum Priester. Es folgten Stationen als Kaplan in Eisenach, Finsterwalde, Leinefelde sowie die Krankenhausseelsorge im St.-Nepomuk-Krankenhaus in Erfurt. Schwerpunkt dieser Aufgabe war die religiöse Unterweisung und Betreuung der Schüler und Schülerinnen der Krankenpflegeschule und die seelsorgliche Betreuung der Kranken und der Mitarbeiter im Haus. Im August 1992 übernahm er die Pfarrei „Ad Beatam Mariam Virginem“ in Lengenfeld unterm Stein. Danach wurde Förster 2006 in die südeichsfeldische Gemeinde Großbartloff berufen. Seit 2013 ist Pfr. Förster in Heiligenstadt tätig. Dort war er zunächst Kooperator in der Pfarrei St. Marien und ging dort 2016 in den Ruhestand. Zurzeit lebt Pfr. Förster im Hospital „Zum Heiligen Geist“.