Wort zum Tage, 02.12.2017

Maria-Anna Immerz aus Augsburg

Hoffnungszeichen

Es wird Zeit. Morgen ist 1. Advent. Eine besondere Zeit, auch für Menschen, die mit seinem christlichen Hintergrund wenig verbinden. Aber diese Zeit verbindet uns. Mit Ritualen verschiedenster Art. Weihnachtseinkäufe allenthalben, klar. Aber auch Rituale, die den Advent selbst markieren. Adventskranz, Tannengrün, Kerzen, Lichterketten, Äpfel, Kugeln. Höchste Zeit, heute das Nötige noch zu besorgen, frisch zusammenzustellen. Rituale wahren schließlich zeitliche Rhythmen.

Auch wenn Deko-Designer uns immer Neues bieten – zum Advent greifen Viele zu den Klassikern. Favorit bleibt der Kranz. Er tut gut, beruhigt – Augen und Seelen. Wer wünschte es sich nicht: Die Dinge des Lebens sollen rund laufen; und aus so manchem Projekt und aus verhakten Beziehungen möge wieder eine runde Sache werden.
Grün ist gefragt – fast jeder hat es jetzt in Arrangements oder im schlichten Zweig Tanne oder Mistel im Zimmer. Groß ist die Hoffnung, dass unser Leben auf einen grünen Zweig kommt; dass dürr Gewordenes wieder grünt. Licht muss dazu im Advent, mit mehreren Kerzen. Da drängt doch die Sehnsucht, dass es hell und warm werde – wo wir den Durchblick nicht haben; wo wir finstere Gedanken und negative Züge an uns selbst entdecken, und düstere Entwicklungen weltweit Schlagzeilen füllen – und wir kaum etwas gleich zum Guten wenden können; aber wachsen möge es doch!
Wir greifen zu duftenden Zapfen und Gewürzen gegen die dicke Luft, die unsere Beziehungen schwer macht.  Und Äpfel oder Kugeln sind – ob wir’s wissen oder nicht – Erinnerungen an den Baum im Paradies, der endlich wieder Früchte treibe wie am ersten Schöpfungstag.

Advent steht vor der Tür. Wir gehen nicht nur zur Floristin und in den Keller an die eingelagerte Adventsdeko. Nein, wir greifen da tief in die Schatztruhen von Menschheitsahnungen, Hoffnungen und Heilsbildern. Die Prophetentexte der Bibel sind kraftvoller Ausdruck solcher Zuversicht, gegen allen Augenschein. Etwa im Trostwort für die verstörten Gläubigen in Jerusalem: „Fürchte dich nicht, Zion! Lass die Hände nicht sinken! Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte.“ (Zef 3,16f.).

Vielleicht haben Sie aber auch einfach Ihre stille Freude daran, wenn Sie – wie ich – heute die Nachbarn treffen, die ebenfalls ihr Adventszeug hervorkramen. Uns verbindet geheimnisvoll diese adventliche Hoffnung, dass – Gott sei Dank – alles und wir selbst dazu auf einen grünen Zweig kommen. 


« zurück zur Übersicht

nach oben ↑

Dieser Beitrag wurde am 02.12.2017 gesendet.


Über die Autorin Maria-Anna Immerz

Maria-Anna Immerz, geboren 1959, studierte Philosophie und Theologie in München und in Freiburg im Breisgau. Seit 1985 ist sie Pastoralreferentin im Bistum Augsburg und somit aktiv in verschiedenen Tätigkeitsbereichen auf gemeindlicher und diözesaner Ebene. Frau Immerz ist Beauftragte für den Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Augsburg sowie für den Fachbereich Schwangerenberatung. Seit 2011 ist Frau Immerz Diözesanbeauftragte für den öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk und seit 01.09.2013 Theologische Referentin im Generalvikariat. Frau Immerz lebt in Augsburg.

Kontakt
maria-anna.immerz@bistum-augsburg.de