Christkönigssonntag, 26.11.2017

Predigt des Gottesdienstes aus der Kirche St. Elisabeth, Nordhorn


Predigt von Pfarrer Clemens Loth

Liebe Gemeinde!

Kommt noch was? Stehen uns noch Überraschungen bevor, oder verläuft alles im Sande? Ist ohnehin alles egal, was ich tue und was ich lasse - oder gibt es einen, dem ich nicht ausweichen kann, der ein vitales Interesse an dir und mir hat?  Werden uns am Ende die Augen aufgehen über uns selbst - und über den, der uns tagaus, tagein begegnet? Urteilen wir über uns und über die anderen? Oder geraten wir vor ein anderes, wir sagen "jüngstes" endgültiges  Gericht, eines, das nicht unmenschlich urteilen wird?

Ja, sagt das Evangelium an diesem Sonntag - an diesem letzten Sonntag im Kirchenjahr. Es gibt einen, dem nichts gleichgültig ist. Er kennt mich durch und durch. Er durchschaut mich ganz und gar und wird über mich barmherzig, fair und gerecht urteilen: Der Menschensohn, der sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzt:  Jesus Christus - Christkönig!

Er wird mich nach meiner Liebe fragen, nach meinen offenen Augen, meinem wachen Leben. Er wird uns danach fragen, was wir für die geringsten Schwestern und Brüder - was wir für Gott getan haben.

Wie sieht da meine Antwort aus? Wie stehe ich vor Gott da? Beschämend, da fällt mir nicht mehr viel ein! Oder doch: Ja, hier und da war ich auch für andere da!

Wenn ich vor Gott stehe, gilt: Ich stelle mich! Mit dem, was ich an Positivem geschafft habe und auch mit meinen Fehlern und Schwächen, mit meinem Weggehen und Wegblicken.

Das Gute ist, dass Gott mir  - wenn ich vor ihm stehe - die Augen öffnet und mir zusagt: "Ich weiche nicht von deiner Seite. Immer und zu allen Zeiten bin ich für dich da - hier und jetzt als dein Richter. Und auch du bist in deinem Leben eingeladen, immer und zu allen Zeiten da zu sein für mich - deinen Gott - und das geschieht in deinem Dasein für die Mitmenschen: "Warst du da für mich im Nächsten?"

Die Welt ist voll von Menschen, in denen Gott mir auf den Leib rückt: Die Heimatlosen, die Armen, die Bedürftigen, die Hoffnungslosen...

Dieser Blick weckt in vielen Menschen die Resignation: "Ich kann ja doch nichts tun. Mir fehlt die Kraft!"  Wir können auch in kleiner Münze Liebe verschenken: Am Krankenbett, bei einem Besuch, im Aushalten einer schwer gewordenen Beziehung ... So wird denen gesagt: „Es gibt einen, der nimmt das alle wahr, der hat eine große Liebe zum Detail, zu den unschätzbaren Kleinigkeiten.“ Dann gehen uns die Augen auf und uns wird klar: Wenn ich vor Gott stehe, werde ich nach meiner Liebe gefragt, nach meiner Liebe zu den Menschen und zu Gott!

Der Monat November gilt als Totenmonat, aber er ist auch der Monat der Liebe. Die Heiligen des Monats zeigen sie uns: Martin, der den Mantel teilt! Elisabeth, die den Hungernden das Brot bringt! Wir gedenken der Verstorbenen, weil wir sie lieben.

Das Evangelium an diesem Sonntag hilft mir, wach im Hier und Jetzt zu leben: durch die Liebe! Ein neues Kirchenjahr beginnt: Gott schenkt uns Zeit zur Liebe. Wir werden erwartet! Jesus Christus öffnet uns die Augen für einen königlichen Weg mit ihm, den Weg der Liebe: Was ihr den Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan.

Amen.

 

 


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Dieser Beitrag wurde am 26.11.2017 gesendet.


Über den Autor Pfarrer Clemens Loth

Pfarrer Clemens Loth, Jahrgang 1961, stammt aus Brual, einem kleinen Dorf im nördlichen Emsland. Nach seiner Priesterweihe wirkte er zunächst als Kaplan in Lingen und Hamburg, bevor er dann Stadtjugendpfarrer in Bremen wurde. Von 1997 bis 2009 war er Pfarrer in Bremen ( Huchting und Woltmershausen), seit Herbst 2009 ist er Pfarrer in Nordhorn. Kontakt
clemens.loth@bistum-osnabrueck.de