Feiertag, 12.11.2017

von Juliane Bittner aus Berlin

„Fürchtet euch nicht!“ – Kann man sich mit dem Tod versöhnen?

Meine Einstellung zum Tod bleibt gleich. Ich lehne ihn strikt ab." Sagt Woody Allen und drückt so aus, was vermutlich die meisten Menschen denken. Doch geht es uns gut mit dieser Abwehrhaltung? Oder könnten wir uns mit dem Tod arrangieren, gar versöhnen, fragt Juliane Bittner im "Feiertag".

Ein Pfarrer ist gestorben. 39 Jahre alt. Er hatte Krebs. Freunde räumen seine Wohnung aus. Im Schreibtisch liegen Stapel von Briefen und ein Tagebuch. Norbert Gorzny, 1950 in Berlin geboren, hat aufgeschrieben, was ihn bewegte. Die brennende Frage nach dem Warum seines Krankseins ebenso wie die Episode, als er beim Klettern über einen Zaun in einem Kohlenhaufen landete. In Ost-Berliner Hinterhöfen gab es viele Wohnungen mit Kohleheizung. Norbert Gorznys Tagebuch beginnt an dem Nachmittag, an dem er die tödliche Diagnose erfahren hat. Er will es genau wissen, und der Arzt sagt es ihm: Die Zeitbombe tickt. Vielleicht fünf Jahre noch? Wieder zu Hause, schreibt er: 

Ich bin sehr froh. Die Zeit der Ungewissheit ist vorbei. Meine Erfahrung heißt: Gott ist barmherzig, er meldet seinen Anspruch rechtzeitig an. Das ist viel besser, als plötzlich zu sterben. Ich glaube und ich versuche zu verstehen, dass mein Kranksein das Beste ist, was mir passieren kann. Denn: Wenn Gott der gute Vater ist, kann dies ja nichts Schlimmes für mich sein. Das mag überheblich klingen, soll es aber nicht sein. Ich weiß, dass ich noch viel jammern und Angst haben werde, wenn es konkret wird, also wenn ich sterbe. (1)

Theoretisch weiß ich, dass ich sterblich bin – aber praktisch?

Auch ich glaube, dass Gott der gute Vater ist. Trotzdem ist mir der Tod unheimlich. Ich wehre mich gegen ihn. Ob ich morgen noch lebe? Plötzlich kann der Tod kommen, und er bedeutet Abbruch und Abschied. Nichts ist mehr zu korrigieren. Das gute Wort, das ich bis zum letzten Moment verschwiegen habe, bleibt ungesagt. Theoretisch weiß ich, dass ich sterblich bin. Praktisch tue ich so, als hätte ich noch hundert Jahre Zeit. Nein, ich will nicht an meinen Tod denken. Oder sollte ich vielleicht doch…? Und wenn ja, wie macht man das? Norbert Gorzny hat in einem Brief zu antworten versucht:

Ich denke, Du solltest in diese Fragen einsteigen, wenn Du mal herausgerissen bist aus dem Alltagstrott, oder Dir so einen Moment ganz bewusst schaffen. Und dann schauen: Wovor fürchte ich mich eigentlich, wenn ich wüsste, ich habe eine Krankheit, die in kurzer Zeit zum Tode führt? Könnte ich das auch gelassen nehmen? „Nö, kann ich nicht“, wirst Du sagen. Und das ist auch richtig. Denn selbst wenn es Dir gelänge, den Tod etwas entspannter zu sehen, wäre das Problem ja nicht gelöst. Wenn Du Dir Deiner Endlichkeit wirklich bewusst werden willst, musst Du genau hinschauen: Was heißt das für mich, wovor habe ich Angst – mehr vor dem Sterben als vor dem Todsein? Was bedeutet mein Tod für meine Familie, für die Freunde? Was bedeutet er für Dich, was will Du noch realisieren, welchen Lieblingsort noch einmal besuchen, mit wem noch einmal reden? Wo liegt Dir „Unerledigtes“ auf der Seele? Wie willst Du Dich verabschieden? Der Tod ist nun mal tod­sicher. Auch raffinierte Verdrängungstaktiken ändern da nichts. Deshalb ängstigen sich so viele vor dem „Sensenmann“. Doch Angst kann lähmen. Und dann kriecht die Verzweiflung in Dir hoch, bis Du kaum noch klar denken kannst und alle Hoffnung erstickt. Dann aber wird das Ende zur Katastrophe.“ (2)            

Der Tod ist ein unerträgliches Geheimnis. Wohl kein Menschenherz kann sich an ihn gewöhnen. Im Anfang der Welt gehörte der Tod nicht zum Leben: Er sollte nicht sein, heißt es im Alten Testament (vgl. Gen 3,22ff). Und weil dieses ursprüngliche Empfinden in der DNA des Menschen lebendig ist, wehrt er sich in der Regel mit aller Kraft gegen ihn. Wohl jeder fühlt sich klein und schutzlos angesichts des Todes.

Zur Furcht vor dem Tod kommt heute die Versuchung hinzu, ihn totzuschweigen. Mehr als in früheren Zeiten werden Gedanken an das irdische Ende verdrängt, in seelische Schichten abgeschoben, in die wir nur sehr selten vordringen. Keiner bricht mehr bei der Arbeit oder auf der Straße in Tränen aus, weil er einen nahen Menschen verloren hat. Unangenehme Gefühle zu zeigen ist peinlich. Auch die Kleidung signalisiert nicht mehr, dass jemand trauert, wie es in meiner Kindheit noch Brauch war. Im Alltag gibt es keinen Tod. Dabei haben wir ihn täglich vor Augen. Die Medien berichten von den Opfern von Krieg, Terror und Katastrophen. In den Krimis, die allabendlich das Fernsehprogramm füllen, wird ständig gestorben. Aber ich beziehe den Tod, den ich da sehe, nicht auf meine Situation. Und wenn ich den Fernseher ausschalte – ist er weg.

Im Alltag der Gesellschaft ist der Tod ein Tabu. Die Zahl der anonymen Bestattungen steigt. Und weil das Sterben medizinisch, rechtlich und  bürokratisch kontrolliert wird, sind viele von uns unfähig geworden, eigenständig mit Tod und Trauer umzugehen. Finden keine Worte und keine Gesten mehr angesichts des nahen Todes eines vertrauten Menschen. Norbert Gorzny, der schwerkranke Priester, fühlte sich oft wie ein Fremder inmitten der Freunde, schreibt er in seinem Tagebuch:

„Die Freunde eilen geschäftig hin und her oder setzen eine „Alles-wird-gut“-Maske auf - weil auch sie Furcht haben vor dem Sterben. Das verstehe ich, doch dadurch wird das Sprechen über das Unvermeidliche zur Qual. Und die Angst der anderen beflügelt die Angst des Sterbenden. „Warum habt ihr denn solche Angst“, frage ich sie, „ich bin es doch, der stirbt. Wenn ihr euch ehrlich um mich sorgt, könnt ihr doch gar nichts falsch machen. Gebt einfach zu, dass ihr euch Sorgen macht. Es mag sein, dass Sterbende bittere Fragen stellen nach dem Warum und Wozu. Aber sie erwarten doch nicht wirklich eine Antwort. Ihre Bitte heißt: Lauft nicht weg! Gebt mir die Sicherheit, dass jemand da sein wird, wenn es so weit ist. Vielleicht ist es dann nicht so hart zu sterben – mit Freunden an der Seite. Angst vor dem Todsein habe ich nicht. Ich glaube an das ewige Leben. „Himmel“, denke ich, sind alle unsere Beziehungen in ihrer Vollendung. Dort dürfen wir Gott schauen, wie er ist, und in seiner Gegenwart leben. Darauf freue ich mich.“ (3)

Seine letzten Worte: „Morgen ist das große Fest“

Knapp sieben Jahre nach der ersten Tagebuchnotiz stirbt Pfarrer Norbert Gorzny in der Berliner Charité. „Morgen ist das große Fest“, sind seine letzten Worte. Welches Fest, fragen sich die, zu denen er es sagt. Kein runder Geburtstag, keine Hochzeit in der Verwandtschaft. Nichts Besonderes im katholischen Feiertagskalender. Der 39-Jährige ahnt seinen Tod: Am frühen Morgen des nächsten Tages stirbt er. Er hat sich darauf vorbereitet, steht im Tagebuch:

„Ich weiß, dass mir der Krebs keine Sekunde wegnehmen wird von der Lebenszeit, die Gott mir zugedacht hat. Es ist Gottes Liebeserklärung für mich. Gott sagt: ‚Du, Norbert, pack ‘mal schon langsam deine Koffer und mach nicht mehr allzuviel Mist.‘ Ich wünsche niemandem eine schwere Krankheit. Wohl aber ein Ereignis, das die Kostbarkeit des Lebens deutlich macht. Ein Ereignis, das zeigt: Ich habe nicht unendlich viel Zeit. So wächst ein tieferes Verständnis von Leben. Die Zeit, die Gott mir lässt, kann ich auskosten und nutzen. Dafür bin ich Gott dankbar. Und all denen, die es mit mir aushalten.“ (4)

Menschen, die am Rande des Todes leben, sind nicht unbedingt klüger. Aber oft wissender: Sie haben eine tiefere Ahnung vom Leben. Sie freuen sich über die letzten bunten Herbstblätter, über eine unaufdringliche Geste des Verstehens, ein gemeinsames gutes Schweigen. Im Prozess des Sterbens lernen sie, manches mit neuen Augen zu sehen. „Augen, die geweint haben, sehen klarer“, hat Norbert Gorzny gesagt. Und versucht, im eigenen Leiden, in seiner Angst und Verzweiflung, den gekreuzigten Christus zu sehen. Das beantwortet keine Warum-Fragen und stillt keine Schmerzen. Aber es kann den Blick weiten hin zum Leiden und Sterben Jesu: Wie der Sohn Gottes darum bettelte, den bitteren Kelch nicht trinken zu müssen, wie er in Todesnot schrie: „Mein Gott, warum hast Du mich verlassen.“ Norbert Gorzny hatte gegenüber seinem Bett ein Bild des Gekreuzigten an die Wand gepinnt. Auf dieses Bild schaute er, wenn es ihm besonders schlecht ging. Betete den Rosenkranz für sich und alle, die Gott ihm anvertraut hatte. Und wenn er darüber einschlafen konnte, war auch das ein Segen.

Lassen sich Leben und Tod versöhnen?

Sich zu identifizieren mit dem Leiden und Sterben Jesu ist nicht für jeden ein Weg, sich anzunähern an die Unvermeidlichkeit des Todes. Auch ein Lebensrückblick könnte eine gute Möglichkeit sein, Abschied zu nehmen: Zum Beispiel dann, wenn man einigermaßen bei Kräften ist, sich bewusst Zeit  nehmen, um zurückzuschauen und eine Art Testament verfassen: Wer ist mir besonders wichtig gewesen, wem will ich noch einen kleinen Gruß schreiben, wen bitten, mich noch einmal zu besuchen auf einen letzten Cappuccino. Aufschreiben, welchen Lieblingsort ich gern noch einmal sehen möchte. Wer das Fotoalbum mit meinen Kinderbildern erhalten soll oder die Flasche edlen Weins, die ich im letzten Urlaub beim Winzer gekauft habe – für einen ganz besonderen Anlass. Und überlegen, was noch zu klären ist, wen ich um Verzeihung bitten muss, um im Frieden gehen zu können.

Der Tod stellt mein Leben auf den Prüfstand: Ich sehe, wo ich aus Stolz oder Wut zu wenig geliebt habe, wo ich versäumt habe, nach dem Wesentlichen zu suchen. Und ich darf sehen, wo ich Gutes bewirken konnte. Wie die Werte, die ich meinen Töchtern mitgegeben habe, als gute Saat aufgegangen sind in ihnen und ihren Kindern.      

„Meine Einstellung zum Tod bleibt gleich. Ich lehne ihn strikt ab.“ (5) Das hat der amerikanische Regisseur Woody Allen einmal gesagt und damit ausgedrückt, was wohl die meisten fühlen. Nur leider nützt diese Einstellung nichts. Doch ist die Tatsache, dass der Tod existiert, ein Grund sich aufzuregen? Der Tod hat einen schlechten Ruf. Warum eigentlich? Könnte man mit dem Tod auch umgehen, ohne dass er wie ein dunkler Schatten über dem Leben liegt? Lassen sich Leben und Tod versöhnen?  

Unsere sehr weit entfernten Verwandten in früheren Jahrhunderten scheinen weniger Angst vor dem Tod empfunden zu haben. Manche ihrer Philosophen sahen ihrem irdischen Ende entspannt entgegen. Die Stoiker zum Beispiel konnte nichts erschüttern. Sokrates trank den Giftbecher in aller Seelenruhe, ist überliefert. Und der antike Philosoph Epiktet kam zu der Erkenntnis, dass es nicht die Dinge sind, die uns beunruhigen, sondern unsere Meinung über die Dinge. Folgt man ihm, hieße das: Nicht der Tod erschreckt mich, es sind meine Gedanken an ihn, die mich erschrecken. Auch Buddha konnte seine Todesangst überwinden, als er erkannte, dass wir so fühlen, wie wir denken. Leider ist dieses Wissen vor allem im Westen weitgehend verloren gegangen.

Es lohnt sich, den Erzählungen zu lauschen, die zum Thema Endlichkeit entstanden sind - ob Wiedergeburt, Auferstehung oder Vernichtung: Verschiedene Kulturen haben ganz unterschiedliche Vorstellungen entwickelt, was nach dem Tod geschieht und wie das sein könnte. Für Buddhisten zum Beispiel ist die Überzeugung, wiedergeboren zu werden, nicht unbedingt erfreulich. Denn jede neue Existenz verheißt neues Leid; der Weg ins Nirwana ist steinig. Es kommt eben darauf an, wie man über die Existenz nach dem Tod denkt. Ein Problem, dass sich erspart, wer ein Leben nach dem Tod für ausgeschlossen hält. Mit diesem Glauben - und mehr als ein Glaube ist es nicht - lebt es sich aber auch nicht sorgenfrei. Denn die Vorstellung, nach dem Tod in seiner Existenz gänzlich vernichtet zu werden, ängstigt auch überzeugte Atheisten. Und wohin mit dieser Angst, wenn der Glaube keine „feste Burg“ mehr ist? Wenn man Gott für tot erklärt hat? Zweierlei ist allen Vorstellungen von den „letzten Dingen“ gemeinsam: Wissenschaftstheoretisch betrachtet, sind es Hypothesen. Existenziell gesehen mehr oder weniger gewagte Glaubenshoffnungen.

Sehen, dass es mit den Tatsachen der Welt noch nicht getan ist

Ein Berliner Pfarrer erzählte dazu die folgende Anekdote: Drei Jahre hintereinander brachte ein Hauswart jeweils ein Kind zur Taufe. Beim dritten Kind sagte er: „Wissense, Herr Pfarrer, ick gloobe ja nich dran. Aba man kann ja nich wissen: Nachher jib’s den lieben Jott doch, und denn steh ick da und kieke blöd.“ Die christliche Hoffnung hat eine fundamentale Voraussetzung: Sie setzt Gott voraus. Gott wird verstanden als der Urgrund all dessen, was existiert. Der österreichische Philosoph Ludwig Wittgenstein notierte 1916 in seinem Kriegstagebuch: „An einen Gott glauben, heißt sehen, dass es mit den Tatsachen der Welt noch nicht getan ist.“ (6) Die biblische Hoffnung für die Toten gründet im Glauben an den lebendigen Gott als den Schöpfer aller Wirklichkeit. Jesus von Nazareth glaubte an die Auferstehung der Toten zum ewigen Leben bei Gott. Im Streitgespräch mit den Sadduzäern, die ein Leben nach dem Tod ablehnten, argumentierte er: Wenn Gott der Lebendige ist, werden auch seine Geschöpfe nach dem Tod bei Gott „aufgehoben“ sein und in seiner ewigen Gegenwart leben. (vgl. Mk 12,27) Anders ausgedrückt: Gott „vergisst“ seine Geschöpfe nicht (vgl. Jes 49,14–16; Ps 27,10;Lk 12,6).

Nach christlicher Überzeugung ist die Auferstehung zum ewigen Leben eine Gnade. Und letztlich die Folge der Liebe Gottes zu den Menschen, die im Tod nicht endet. Denn die Liebe bleibt. Der Himmel ist der Ort, an dem Gott selbst alle Tränen trocknen wird, „der Tod wird nicht mehr sein, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen“. (Offb 21,4)  „Das Schönste liegt immer noch vor uns“, so hat es Norbert Gorzny für sich ausdrückt. Auf dieses „Schönste“ war er neugierig, auf dieses ewige Sein bei Gott hat er sich durch alle Angst hindurch gefreut. Und sich mit seinem Tod versöhnt.

Vor Jahrhunderten hat die Katholische Kirche dem Gebet des Ave Maria – das ja in seinem ersten Teil ganz biblisch ist (vgl. Lk 1,39ff) - eine Bitte angefügt: „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes.“ Der November ist der Monat mit dem Trauerrand, der Monat des Totengedenkens. Er könnte Anstoß sein, diese Bitte des Ave Maria neu zu entdecken für mich selbst, und als fürbittendes Gebet für die ungezählten Sterbenden, die in diesem Moment den Schritt durch das Tor des Todes gehen. Wenn ich im Jetzt lebe, in der Gegenwart, kann ich mich einüben in mein Sterben, in meinen Tod. Dann wäre er - wenn er kommt - nicht mehr mein Todfeind. Lassen sich so Leben und Tod doch miteinander versöhnen? Freilich wird es noch ganz anders sein, wenn es so weit sein wird, wenn die Stunde meines Todes gekommen ist. Aber vielleicht bin ich dann nicht ganz ahnungslos, nicht gänzlich unvorbereitet. Wie wird er sein, der Tod, die letzte Entscheidung auf Gott hin, die endgültige Begegnung mit Gott? Die Heilige Schrift sagt: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist, das hat Gott denen bereitet, die ihn lieben.“ (1 Kor 2,9)

Beim Ringen mit dem nahenden Tod hat Pfarrer Norbert Gorzny viel gelesen und manche Gedanken, die ihn besonders berührten, im Tagebuch festgehalten. Wie die Geschichte von der „Erfahrung der Salzpuppe“:

Eine Puppe aus Salz wandert durch die Wüste und gelangt auf einmal ans Meer. Das Meer ist etwas Seltsames, ihr fremd. Noch nie hat die Salzpuppe das Meer gesehen. „Wer bist du“, fragt die Puppe. „Komm hinein, dann weißt du es“, antwortet das Meer. Die Salzpuppe geht ins Wasser. Ehe sie ganz vergeht, sagt sie: „Nun weiß ich, wer ich bin!“ (7)

Norbert Gorzny schrieb dazu:

“Der Tod treibt die Kostbarkeit des Le­bens auf die Spitze. Er gibt mir zu verstehen: ‚Verschieb dein Leben nicht auf morgen. Es passiert jetzt. Auf dieses Jetzt kommt es an - und auf die Stunde deines Todes. Du hast nur diese zwei Realitäten.‘ – ‚Wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen‘, steht im Neuen Testament. (Mt 16,24)  Denn bei Gott geht keiner verloren. Auch nicht im Tod.“ (8)

Quellen:
(1) - (4), (8) Zitate Norbert Gorzny: Tagebuch und Briefe von Norbert Gorzny, Berlin, gest.1990, im Privatbesitz der Autorin
(5) Zitat Woody Allen: Aus: www.zitate.de – Allen, Woody
(6) Zitat Ludwig Wittgenstein: Aus: Wittgenstein, Ludwig: Tagebücher 1914–18. In: Schriften. Band 1, Suhrkamp, Frankfurt 1960, S. 167, 2 Zeilen
(7) Die Erfahrung der Salzpuppe: Aus: De Mello, Anthony: Warum der Vogel singt; Herder 2013, ISBN 9-7834-51-3262-19; S. 31, 5 Zeilen


« zurück zur Übersicht

nach oben ↑

Dieser Beitrag wurde am 12.11.2017 gesendet.


Über die Autorin Juliane Bittner

Juliane Bittner, 1951 in Leipzig geboren, studierte in Ost-Berlin Wirtschaftswissenschaften und arbeitete als Diplom-Ökonom im staatlichen wie im konfessionellen Gesundheitswesen. Parallel dazu war sie als Autorin und Lektorin für den katholischen St.-Benno-Verlag Leipzig sowie als "DDR-Korrespondentin" für die deutschsprachige Sektion von Radio Vatikan tätig. Seit der deutschen Wiedervereinigung ist sie Journalistin und Medienseelsorgerin im Print- und Hörfunkbereich. Inzwischen im Ruhestand, halten fünf Enkelkinder zwischen 18 und drei sie frisch. Kontakt
(030) 509 04 11
julbittner@gmx.de